Neue Samen von alten Sorten
Neue Samenvon alten Sorten
Dr. Bertold Buntspecht und das Geheimnis der ausgeliehenen Samen
Neulich machte Dr. Bertold Buntspecht auf einem großen, alten Baum in der Nähe der Stadtbibliothek von Karlsruhe eine Rast. Er liebt es ja, auf Entdeckungstour zu gehen. Von diesem Baum aus beobachtete er etwas Seltsames: Ein Mensch stellte kleine Papiertütchen in ein Regal – in der Bibliothek!„Komisch“, murmelte Dr. Bertold. „Da gibt man doch normalerweise Bücher zurück. Keine Tütchen! Ich muss herausfinden, was es damit auf sich hat.“ Er flog ans Fenster und las (mit ein bisschen Mühe) das Schild: „Saatgutbibliothek – Samen ausleihen, Vielfalt bewahren.“ „Ahhh“, jetzt machte es klick bei ihm. „Das ist ja eine gute Idee. Davon muss ich gleich meinen Freunden berichten.“
Zurück am Baumhaus erzählte er seinen Freunden Fabio Fuchs und Wally Wildschwein von seinen Beobachtungen.
„Saat-GUT?“ murmelte Fabio Fuchs. „Was ist denn gutes Saat? Und warum leiht man das?“Wally Wildschwein kicherte. „Saatgut nennt man doch die gesammelten Samen von Pflanzen.“
„Genau, meint Dr. Bertold nun: Samen, aus denen Pflanzen wachsen. In der Saatgutbibliothek in Karlsruhe gibt es ganz Besondere: Samen von alten Gemüsesorten, die viele nicht mehr kennen. Und die sind oft richtig stark!“ „Stark? So wie ich?“ fragte Wally. „Naja. Eher stark, weil sie mit Hitze und Trockenheit gut umgehen können“, erklärte Dr. Bertold. „Wenn der Sommer heißer und trockener wird und zwischendurch viel Regen auf einmal auf den Boden trifft – so wie in den letzten Jahren – kommen viele dieser Pflanzen trotzdem einigermaßen klar damit. Sie haben sich über viele Jahre an ihre Herkunftsregion angepasst und sind darum einfach robuster.“
Wally und Fabio waren beeindruckt. „Und diese Samen werden ausgeliehen? Aber es wachsen doch dann Pflanzen daraus. Wie sollen die Samen denn dann zurück…“neue Samen von alten Sorten
„Genau: Wer sich welche ausleiht, sät sie aus, lässt die Pflanze blühen und Früchte tragen. Aus den reifen Früchten werden neue Samen gewonnen und später bringt man einige davon zurück. So bleiben die Samen in der Saatgut-Bibliothek immer frisch und die Pflanzenwelt im Gemüsegarten bleibt bunt und stark.“
Was meinen wir mit alten Sorten?
Alte Sorten sind Obst- und Gemüsesorten, die es schon ganz lange gibt. Sie sehen manchmal etwas anders aus als die bekannten Sorten aus dem Supermarkt. Sehr oft schmecken ihre Früchte besonders gut. Da sie nicht überall gleich viel Ertrag bringen, werden sie seltener angebaut oder geraten ganz in Vergessenheit.
Beispiele alter Sorten:
Der Apfel „Boskoop“
Die Tomate „Ochsenherz“
Violette oder gelbe Karotten
Viele alte Sorten passen gut zu dem Wetter und dem Boden in ihrer Region. Manche wachsen gut auf flachem, sonnigen, aber windigen Land. Andere wachsen gut im Schatten der Berge oder brauchen besonders viel Regen. Durch ihre besondere Anpassung sind sie oft robuster und brauchen weniger Hilfe beim Wachsen.
Warum ist der Erhalt von alten Sorten wichtig?
- damit die Pflanzenvielfalt erhalten bleibt - weil ihre verschiedenen Gene vielleicht für neue, starke Sorten gebraucht werden - damit alte, wertvolle, leckere Obst- und Gemüse-Schätze nicht verloren gehen


