Burgfriede
Eine Entscheidung muss her:Burgfriede
Burgfriede
Wally und Fabio kommen immer näher. „Stooopppp!“ krächzt Dr. Bertold seine beiden Freunde laut und deutlich an. „Hier herrscht Burgfriede, dass das klar ist. Und der gilt auch für unsere Gäste!“
Fabio und Wally blicken sich ganz betreten an. Burgfriede? So ein Pech aber auch. Aber Dr. Bertold hat Recht: Burgfriede bedeutet nämlich, dass die Beutetiere, die im gleichen Bau wohnen, in Ruhe gelassen werden. Beide Freunde grummeln vor sich hin. Mäuse, ihre Lieblingsspeise, als Gäste in ihrem Baumhaus! Das ist ja nicht zu glauben!
Aber Gastfreundschaft hat einen hohen Wert in ihrem Baumhaus. „Also gut! Wahrscheinlich sind die beiden triefnassen Mäuse auch überhaupt nicht lecker“, versuchen sie sich einzureden.
Dr. Bertold atmet auf, die beiden Mäuse ebenso. Er bittet sie in den gemütlichen Teil des Raumes und bietet ihnen eine trockene Moos-Ecke an. Er blickt zu seinen beiden Freunden hinüber, dann wieder zu den Mäusen. Dann beginnt er mit ruhiger Stimme zu sprechen: „Am besten stellen wir uns erst einmal in Ruhe vor. Also, ich bin Dr. Bertold Buntspecht. Und dies sind meine Freunde Wally Wildschwein und Fabio Fuchs. Sie sind noch etwas aufgeregt, denn gewöhnlich trauen sich keine Mäuse in unser Baumhaus. Ihr scheint sehr mutig zu sein! Was führt euch denn zu uns?“
Die Mäuse räuspern sich. Dann schütteln sie sich. Sie tauschen ein paar Blicke und schließlich piepsen sie beide fast gleichzeitig: „Wir brauchen eure Hilfe auf der Suche nach einem neuen Unterschlupf!“
Nun ist es mucksmäuschenstill im Baumhaus. In dem Moment erhellt ein Blitz den Himmel draußen vor dem Baumhausfenster. Kurz darauf hört man den Donnerschlag krachen. Dann ist es wieder still, nur der Regen prasselt unaufhörlich auf das Baumhaus und die Waldlichtung ringsherum ein.
Wieder räuspert sich eine der beiden Mäuse. Sie rückt ihr gelbes Halstuch zurecht, dann nimmt sie Anlauf zu sprechen: „Ich heiße Flavi. Meine Wohnhöhle im Erdboden wurde überschwemmt. Seit Tagen ziehe ich umher auf der Suche nach einem trockenen Zuhause. Dabei bin ich Wildo begegnet.“
Die andere Maus nickt dazu. Sie klammert sich mit beiden Pfoten an ihrem Umhängebeutel fest. Dann fügt sie hinzu: „Ja, also ich bin Wildo, die Waldmaus. Auch mein Zuhause wurde vom starken Regen zerstört. Darum habe ich mich notgedrungen auf die Suche nach einem trockenen Plätzchen gemacht. Normalerweise halte ich mich von Gelbhalsmäusen fern, sie sind viel größer als ich. Das macht mir Angst. Aber Flavi sah genauso ängstlich aus wie ich. Und wir haben das gleiche Problem. Darum haben wir beschlossen, gemeinsam weiter zu ziehen.“
„Wir haben von den Naturpark-Detektiven gehört. Und so sind wir nach einer langen Wanderung zu euch gelangt. Wir hoffen, ihr könnt uns helfen!“, ergänzt Flavi nun mit bangem Blick.
Und schon rattert die Detektiv-Maschine im Kopf der drei Naturpark-Detektive los. Sie können gar nicht anders. Es gibt ein Problem und das muss gelöst werden. Das ist für alle drei sofort klar.
„Unsere Baumhaus-Eiche ist schon uralt. Zwischen ihren dicken Wurzeln befinden sich kleinere und größere Hohlräume. Wenn der Regen nachlässt, könntet ihr sie mal inspizieren“, schlägt Fabio vor. „Bis dahin könnt ihr euch gern hier in der Baumhausecke einrichten“, setzt Wally großzügig hinzu. Dr. Bertold Buntspecht muss sich schon sehr wundern über den schnellen Sinneswandel seiner Freunde. Er ist sehr stolz auf sie! Nun heißt es abwarten, bis der Regen endlich nachlässt.
In der Zwischenzeit haben die Naturpark-Detektive natürlich unglaublich viele Fragen an Flavi, die Gelbhalsmaus und Wildo, die Waldmaus. So lernen sie die beiden nach und nach richtig gut kennen.
